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Kurt Kardinal Koch - Wann werden die Christen vereint sein

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Kurt Kardinal Koch - Wann werden die Christen vereint sein

Pater Théo Klein SCJ stellt das neue Buch von Kurt Kardinal Koch vor: "Wir Christen - wann endlich vereint?"

 

In seinem neusten Buch „Wir Christen – wann endlich vereint? – Ökumenische Perspektiven für heute und morgen“ bleibt Kurt Kardinal Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen nicht bei den Scherben der Kirchenspaltung stehen, die Martin Luther vor 500 Jahren eigentlich nicht beabsichtigt hat. Wie die 95 Thesen von Luther Christen keineswegs beruhigen wollten, so beabsichtigt Kardinal Koch mit den Thesen dieses Buches etwas in Bewegung zu bringen.

In den verschiedenen Kapiteln beschreibt der Kardinal den holprigen Weg der Ökumene auf seine typische profunde Art und Weise mit rhetorischer Geschliffenheit: Trotz aller Mühen ist die Ökumene in Wahrheit keine Sisyphusarbeit, sondern ein Mosesdienst : Zur Ökumene gehört die Grundhaltung, wie Mose das Volk durch die Wüste zu führen, auch wenn man selbst das gelobte Land im Verlauf der eigenen Lebenszeit nicht erreichen wird. Man sollte sich als Christ neu darüber Rechenschaft ablegen, wohin die Reise gehen soll. Denn wenn man kein gemeinsames Ziel mehr vor Augen hat, kann es geschehen, dass man in verschiedenen Richtungen weitergeht und nachher entdecken muss, dass man sich noch weiter voneinander getrennt hat. Solche schmerzhafte Erfahrungen gibt es. Deshalb ist eine Rückbesinnung auf das Ziel der ökumenischen Reise die wichtigste Herausforderung. Dazu kommt nach Kurt Koch eine zweite große Herausforderung: Es gibt weltweit ein massives Anwachsen evangelikaler und pentekostaler Bewegungen, die heute zahlenmäßig, die zweitgrößte Gemeinschaft innerhalb der Christenheit nach der katholischen Kirche ausmachen. Man redet von einer Pentekostalisierung des Christentums – neben der katholischen, der orthodoxen und der protestantischen. In der Begegnung mit anderen christlichen Kirchen sieht man die eigene Kirche mit neuen Augen. Ökumene führt deshalb nicht zu einer Verarmung, sondern zu einer Bereicherung. Auch wenn es in der Ökumene Umwege, Abwege und Irrwege gab, so muss man immer wieder versuchen, auf die Hauptstraße zurückzukommen. Ein Dialog gelingt dort nicht, wo man Überzeugungen suspendiert, sondern nur dort, wo man sie miteinander ins Gespräch bringt. Niemand bestreitet die kontroversen Punkte zwischen den Konfessionen, wie zum Beispiel ob die Frage der Ordination der Frauen eine Glaubensfrage oder eine kirchendisziplinäre Frage ist.

Das Gebet muss Grundlage der Ökumene sein; Jesus fordert nicht von den Jüngern die Einheit, sondern er betet für sie. In der Ökumene spielen viele Faktoren eine wichtige Rolle. Neben Glaubensfragen und theologischen Diskussionen sprechen auch nichttheologische Faktoren wie nationale Identität, kulturelle Prägung, politischer Kontext, Charakter des Dialogteilnehmers eine nicht unwesentliche Rolle. Zudem sind auch Christen von den Versuchungen der Rechthaberei und des Beharrens auf dem eigenen Standpunkt nicht frei. Zudem ist die Migration eine neue Herausforderung für die Ökumene. Im Blick auf den Islam kann man feststellen, dass sich nicht wenige Muslime in Europa nicht vom Christentum, sondern von der Verdrängung der Religion aus der gesellschaftlichen Öffentlichkeit bedrängt fühlen. Eine Gesellschaft, in der Religion kein öffentliches Thema mehr ist, ist interreligiös nicht dialogfähig. In den vergangenen Jahren konnten in ökumenischen Dialogen verschiedene Glaubensfragen vertieft werden, aber neue nicht unwichtige Differenzen sind auf ethischem Gebiet aufgetreten.

Papst Johannes Paul II hat von einer Ökumene der Märtyrer gesprochen und dabei betont, dass die Christen nicht verfolgt werden, weil sie orthodox oder katholisch, lutherisch oder anglikanisch, sondern weil sie Christen sind, und dass wir von daher lernen müssen, dass wir Christen zusammengehören. Das Martyrium ist heute ökumenisch, und die Ökumene der Märtyrer, die Ökumene des  Blutes ist zweifellos das glaubwürdigste und überzeugendste Zeichen der heutigen Zeit. Etwa achtzig Prozent aller Menschen, die heute aus Glaubensgründen verfolgt werden, sind Christen. Der christliche Glaube ist in der heutigen Welt die am meisten verfolgte Religion.

In dem Kapitel „Maria, (un)geliebte Mutter der Kirche(n)“ setzt sich Kurt Koch pointiert mit dem Gedanken auseinander, Maria, die in allem den Willen ihres Sohnes sucht, auch und gerade seinen Willen, dass all seine Jünger eins sein sollen, dass sie nicht zwischen den Kirchen stehen solle, sondern sie könnte uns vielmehr helfen, die Einheit wiederzufinden. Deshalb könnte man in Maria die personifizierte Konkretion der Rechtfertigungslehre entdecken.

In diesem Buch mit seinen glaubensstarken und verständlichen Aussagen kann man sozusagen die Klänge „einer Symphonie der Einheit“ entdecken, an der Kurt Koch schon in jungen Jahren als Dogmatikprofessor in Luzern, später als Bischof von Basel und jetzt als Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen geduldig schreibt. Die menschliche und theologische Feinfühligkeit und Leidenschaft des exzellenten Kardinals für das Herzensanliegen Jesu, dass seine „Jünger eins sein sollen“, lässt auch ökumenisch „unmusikalische“ Christen mitsummen in der unbeirrbaren Hoffnung, dass die Melodie der Einheit schöner und eindringlicher klingen möge als die vor 500 Jahren jener Hammerschläge, die der Legende nach nicht nur die Kirchentüre in Wittenberg haben erzittern lassen, sondern wenig später das gesamte christliche Abendland.

 

Pater Theo Klein SCJ