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Prof. Dr. Volker Zotz zum 60. Geburtstag

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Prof. Dr. Volker Zotz zum 60. Geburtstag

Freiheit, Bewusstheit, Verantwortlichkeit

Interkulturelle Spiritualität und eurasischer Humanismus

Festschrift für Volker Zotz zum 60. Geburtstag

 

Volker Zotz, österreichischer Philosoph, Religionswissenschaftler und hervorragender Kenner des fernöstlichen Denkens, seit 2015 Leiter des Ordens Arya Maitreya Mandala, ist in Luxemburg kein Unbekannter, lebte er doch hier vom 1999 bis 2009, wo er am Centre Universitaire und an der Uni.lu tätig war, von 2002 bis 2004 die Zeitschrift « Forum für Politik, Gesellschaft und Kultur » leitete und 2002 mit der deutsch-italienischen Schriftstellerin Friederike Migneco den gemeinnützigen Kulturverlag Kairos Edition gründete.

Zu seinem 60. Geburtstag haben seine Freunde und Mitarbeiter ihm eine Festschrift[1] gewidmet. Der Vielfalt der geistigen Aktivitäten und Wirkungen des Jubilars angemessen, enthält diese, in sechs Abschnitte gegliedert, akademische und literarische Beiträge  sowie persönliche Erinnerungen und Zeugnisse.

Im ersten Teil würdigt Benedikt Maria Trappen Volker Zotz’ Einsatz für den interkulturellen Dialog, dessen Schattierungen in den Beiträgen zu seinen Werken zum Vorschein kommen. So beschreibt Gerhard Weissgrab den Einfluss, der das Buch  „Freiheit und Glück“ (1987) auf ihn machte, während Otfried H. Culmann anhand der Veröffentlichung André Breton (1990) an Volker Zotz’ Auseinandersetzung mit dem Surrealismus erinnert. Zu Volker Zotz’ Studien des fernöstliches Gedankenguts schreiben Perry Schmidt-Leukel über Der Buddha im reinen Land (1991), Peter Riedl über Mit Buddha das Leben meistern (1999), Ulrich Dehn und Peter Wevelsiep über das Werk Auf den glückseligen Inseln (2000), das den Einfluss des Buddhismus auf die deutsche Kultur darstellt. Daniel Müller bespricht den Erfolg des Kamasutra im Management (2008), und Reinhard Kirste zeigt, wie Volker Zotz sich auch in neueren Werken mit dem Konfuzianismus auseinandersetzt (2015). Die anschließende Bibliographie von Prof. Dr. Volker Zotz zählt 25 Bücher und eigenständige Veröffentlichungen; 122 Buch- und Zeitschriftenbeiträge: Sachtext und Wissenschaft; 27 Buch- und Zeitschriftenartikel: Literarisches, Kolumnen; 9 Rezensionen; 18 Stellungnahmen; 13 Übersetzungen und Bearbeitungen, sowie 4 herausgegebene Bücher.

Der zweite Teil der Festschrift kreist um den aus Deutschland stammenden tibetanischen Lama Anagarika Govinda, der 1982 Volker Zotz zum Leiter des österreichischen Zweigs des Arya Maitreya Mandala ernannt hat. Harry Oldmeadow würdigt die Gelehrsamkeit dieses Lamas, seine Integrität, seine Hingabe an den Dharma und seine Weisheit. Peter Michel vergleicht seinen Freiheitsgedanken mit dem von Krishnamurti; für beide ist die Freiheit kein „neutraler“ Wert, sondern sie ist zielgerichtet. So betont Lama Govinda: „Freiheit hat nur dann einen Sinn, wenn wir wissen, wofür wir frei sind.“ Und es heißt bei ihm denn auch, den eigenen und nur den eigenen Weg gehen, wie Jochem Kirchhoff in seinem Beitrag Der Fall „Govinda“ festhält, er, für den Govinda „eine zutiefst sympathische und achtunggebietende Gestalt von romantisch-deutscher und metaphysischer Prägung“ ist. In „Maitreya“ für Lama Govinda gibt Peter Michael Hamel Einsicht und Erläuterungen zur Konzeption einer integralen Musik, veranschaulicht an seiner Komposition „Maitreya“ aus dem Jahre 1974. Karel Werner erläutert Sinn und Ziel des Ordens Arya Maitreya Mandala, der von Lama Govinda gegründet wurde und dessen Generalleiter seit 2012 Volker Zotz ist.

Im dritten Teil der Festschrift geht es um den Buddhismus, mit dem sich Volker Zotz lange Jahre beschäftigt und interkulturell auseinandergesetzt hat. Hier finden wir die Beiträge Gier, Hass und Verblendung von Peter Gäng, Buddha-Natur. Ein Begriff und seine Philosophischen Implikationen von Michael Gerhard, Buddhismus in Österreich von Yoshin Franz Ritter und Buddhismus und Anthroposophie. Wie sich östliche und westliche Meditation ergänzen können von Andreas Neider.

Da Volker Zotz auch an Universitäten in Kyoto und Tokio tätig war, trägt Teil IV. der Festschrift den Titel „Aus Japan“. In Der Fall Hirose Akira (1919-1947) erinnert Kunihiko Terasawa an den Konflikt der buddhistischen Jugend Japans mit der Militärgewalt im Zweiten Weltkrieg. Muho Nölke, heute Abt eines Zen-Klosters tief in den japanischen Bergen, erzählt, wie er im Gymnasium den Weg zum Zen gefunden hat. Als erster Deutscher Philosophie-Professor im Nachkriegs-Japan, konnte Gerhard Knauss dort nicht nur in Europa unbekannte Handschriften Nietzsches einsehen, sondern auch verstehen, dass „der Weg vom Sein zum Nichtsein und vom Nichtsein zum Sein der längste und der kürzeste von allen ist“. Teil IV schließt mit einer Studie von Yokio Kotani: Hanjiro Tominaga, Hans Prinzhorn und der Buddha. Lebensphilosophische Gedanken über Bildung, Verkanntwerden und Offenheit.

Teil V. ist philosophischen Persönlichkeiten gewidmet, die im Werdegang von Volker Zotz eine Rolle gespielt haben: Martin Buber, dessen Andersheit des Anderen Benedikt Maria Trappen erörtert; Valentin Tomberg, auf dessen einzigartiges Werk Michael Grensch eingeht. Erwähnt sei hier, dass Volker Zotz zusammen mit Friederike Migneco im Luxemburger Kairos Verlag Werke von Valentin Tomberg veröffentlicht und kommentiert hat. Unter dem Titel Armut, Ganzheit, Freiheit geht Mondrian Graf von Lüttichau auf Michael Brink (1914-1947) ein und seine wesentliche Frage: „Mensch werden nach Auschwitz?“ Volker Zotz bekennt: „Seit früher Jugend faszinieren mich Verrückte, die nicht ganz irr und wirr, aber doch so weit vom Normalen abgerückt sind, dass sie alles anders sehen als die meisten.“ Einer dieser Verrückten ist Oscar Kiss Maerth, über den Werner Zimmermann eine längere Studie in diesem V. Teil der Festschrift vorlegt.

Teil VI. enthält Lyrisches und Meditatives. Munish Bernhard Schiekel schreibt über den chinesischen Chan-Meister Hongzhi Zhengjue, während Zensho W. Kopp über die allumfassende Ganzheit des Seins meditiert; Friederike Migneco veröffentlicht Gedichte (2003-2006) unter dem Titel Alles ist Anders und öffnet damit Wege in ungeahnte Tiefen, wo der Andere jener ist, der verwandelt. Antonio-Maria Caruso legt im Le chant de l’aigle, Gedichte in französischer, deutscher und italienischer Sprache vor, darauf hinweisend, dass das Göttliche doch nicht einfach nur „des Menschen widerträchtige Gewohnheit“ sein kann.

Die reiche Festschrift für Prof. Dr. Volker Zotz beschließen die von Benedikt Maria Trappen an ihn gerichteten Dreizehn Silben sowie eine Abbildung des Holzschnitts, den Heinz Stein für ihn geschaffenen hat.

Wie das Wirken des Jubilars ist auch die Festschrift zu seinem 60. Geburtstag: vielfältig, informativ, wegdeutend, bereichernd für all jene, die auf der Suche nach Sinn und Ziel des Menschseins sind.

P. Jean-Jacques Flammang SCJ



[1] Friedhelm Köhler, Friederike Migneco, Benedikt Maria Trappen (Hg) : Freiheit, Bewusstheit, Verantwortlichkeit. Festschrift für Volker Zotz zum 60. Geburtstag, München, Edition Habermann, 2016, 417 Seiten. ISBN 978-3-96025-009-8