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P. Théo Klein SCJ zum Sonntagsevangelium

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P. Théo Klein SCJ zum Sonntagsevangelium

Der Kommentar zum Sonntag

Nicht betonieren,

sondern tief umgraben und düngen

Gedanken zum Lukas-Evangelium vom dritten Fastensonntag – „Oculi“ (Lk 13, 1-9)

Aus der Flut von Katastrophenmeldungen, denen wir uns medial aussetzen, werden wir in der Regel nicht für eine umfassende Weitsicht sensibilisiert, sondern vielmehr abgestumpft. Wir beachten die Katastrophe, nehmen eine bestimmte Position ein, weil wir diese aus einer selektiven Perspektive beobachten und bewerten.

Eigentlich reagieren wir ähnlich wie die Menschen im heutigen Evangelium, wo etwas sehr Schreckliches geschehen ist. Die Galiläer gingen in den Tempel, um zu opfern, und Pilatus ließ sie massakrieren. Ihr Blut verbindet sich mit dem Blut der Opfertiere. Dieses Ereignis wird an Jesus herangetragen. Was tut er? Er verändert die Perspektive. Zu diesem Perspektivenwechsel sind auch wir eingeladen. Nicht nur beobachten und bewerten, sondern sich am Geschehen beteiligen. „Meint ihr nur diese Galiläer?“, fragt er und seine Antwort lautet „Ihr alle“, d. h. wir alle haben etwas zu tun. Seine Devise lautet: Bekehrung, was Bewusstseinswandel bedeutet.

Jesus bekommt die Engherzigkeit der Menschen zu spüren. Sind wir nicht auch resistent gegenüber dem, was Jesus von uns fordert? Vielmehr wollen wir doch, dass wir in unserem Dornröschenschlaf nicht gestört werden. Alles soll so bleiben wie es ist. Verstehen wir uns nicht als Patrone des Status quo? Menschlich kann man das verstehen. Wir erleben ja immer wieder, was gestern war, kann heute und morgen anders sein, zum Beispiel durch eine Krankheit oder ein Sterbefall kann unser Leben verändert werden. Kaum ein Tag ist wie der andere, und der Blick auf die Geschichte zeigt, dass nichts so bleibt wie es ist.

Wie jede Medaille zwei Seiten hat, so ist es auch im Leben. Wenn wir von Wohlstand und Stabilität reden, dann haben andere dafür bezahlt, dass wir billig einkaufen. Kinder arbeiten in Asien für die großen Firmen. Menschen bekommen in Afrika für ihre Produkte nicht den Lohn, den sie verdient hätten. Dies ist auch ein Teil der Wahrheit unserer Sicherheit und Wohlstandes. Wenn wir daran festhalten, dass das sich nicht ändern darf, liegen wir komplett daneben! Auch in der Kirche dürfen wir nicht mehr so denken, dass wir noch in der Zeit der „sieben fetten Jahren“ leben würden. Es ist nicht damit getan, dass viele Papiere geschrieben werden und Energie investiert wird mit der Frage wie es mit der Kirche in Zukunft weitergeht. Die Forderung des Evangeliums heißt Kreativität, die sich im Umgraben und Düngen ausdrückt. Wir sind eingeladen, umzugraben, was uns vertraut ist. Oftmals graben wir aber nicht um, sondern betonieren um den Feigenbaum. Der Feigenbaum braucht frische Luft, frische Erde und Dünger. Anhand dieses Beispiels sehen wir, dass etwas von uns gefordert ist.

Jesus möchte von uns eine Kreativität gegen den Status quo, den wir so gerne verteidigen, denn das Haften im „Ist-Zustand“ führt uns keinen Schritt weiter. Dieses Evangelium zeigt, dass wir in Kirche und Gesellschaft zwischen Gericht und Gnade stehen. Es geht um das Urteil, das über uns schon gesprochen ist wie wir uns verhalten, aber auch gleichzeitig weist Jesus auf Gottes Barmherzigkeit hin, die sich in seiner unendlichen nicht ermüdenden Geduld für jeden von uns erweist.

 

Luxemburger Wort vom Samstag, 23. März 2019, Seite 31

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