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Zum internationalen Priester-Jahr

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Zum internationalen Priester-Jahr:

Stärkung, Erneuerung und Profilierung des priesterlichen Dienstes

Papst Benedikt XVI. hat am Herz-Jesu-Fest dieses Jahres anlässlich des 150. Jahrestages des “dies natalis” von Johannes Maria Vianney, dem Schutzheiligen aller Pfarrer der Welt, offiziell ein “Jahr der Priester” ausgerufen. Dieses Priester-Jahr möchte dazu beitragen, das Engagement einer inneren Erneuerung aller Priester für ein noch stärkeres und wirksameres

 

Zeugnis für das Evangelium in der Welt von heute zu fördern. In seiner Predigt zur Eröffnung des Priester-Jahres sprach der Heilige Vater in dem feierlichen Vespergottesdienst mit folgenden Worten: “Wir haben eine für die Kirche und die Welt unverzichtbare Sendung, die vollkommene Treue zu Christus und unablässige Einheit mit ihm erfordert; das heisst dieses in seiner Liebe Bleiben verlangt, dass wir ständig nach der Heiligkeit streben, nach diesem Bleiben in ihm, wie es der heilige Jean-Marie Vianney getan hat.” ”Letztendlich geht es um Stärkung, Erneuerung und Profilierung des priesterlichen Dienstes, der zu den zentralen Aufgaben der Kirche heute gehört.

An den Priesterbilder ist das Leben der Kirche ablesbar

Durch das Trienter Konzil, das vom 13.12. 1545 bis zum 4. 12.1563 unter den Päpsten Paul III., Julius II. und Pius IV. stattfand, wurde unter anderem die sieben Sakramente aufgegriffen, die der Lehre der Reformation des 16. Jahrhundert ein Dorn im Auge war. Ausführlich setzte sich das Konzil von Trient mit der Ordination, der Eucharistie, dem Messopfer und der Transsubstantiation auseinander. Das Priesterbild, das stark von der sakramentalen Seite geprägt war, fand eine kontinuierliche Weiterentfaltung von Papst Leo XIII. bis Pius XII., fortgeführt noch bei Johannes XXIII. und Papst Paul VI. Papst Paul VI. zitiert Pius XII. in Magnificate Dominum: “ Die eigentliche und erste Aufgabe des Priesters war und ist es immer, zu opfern, so dass dort, wo keine eigentliche und wirkliche Opfervollmacht vorliegt, es auch kein eigentliches und wirkliches Priestertum gibt”.

Der Kern der Teilnahme am Priestertum Christi ist das eucharistische Handeln “in persona Christi”. Das Handeln und Sprechen “in persona Christi” ist eng verbunden mit dem Handeln “in persona Ecclesiae”. Es geht um ein sakramentales Handeln im Namen Jesu und der Kirche. Wie es im Theater entscheidend wichtig ist, dass der Schauspieler seine eigene Person zurücknimmt oder besser voll und ganz einbringt in jene Rollen-Person, die er zu spielen hat, so kommt auch in der Liturgie alles darauf an, dass nicht die Person des Liturgen im Mittelpunkt steht, sondern die Person Jesu Christi selbst.

Das eucharistische Opfer ist Zentrum des priesterlichen Dienstes und Mittelpunkt des christlichen Glaubens. Das Dekret “Presbyterorum ordinis” entfaltet den zeichenhaften Charakter des öffentlichen Dienstes für das Volk Gottes in Bezug auf das Lebensopfer Jesu Christi und der gesamten Kirche. Entscheidend ist in diesem Kontext einer der schönsten Texte  von Augustinus, in dem er das Opfer der Kirche und der Christen vom Opfer Jesu Christi her erläutert: “Deswegen ist ein wahres Opfer ein jedes Werk, durch welches bewirkt wird, dass wir in heiliger Gemeinschaft Gott anhängen, bezogen nämlich auf jenes Ziel des Guten, durch welches wir wahrhaftig selig sein können.” Anhand einer Fülle von Beispielen erläutert Augustinus, wie das Leben in Glaube, Hoffnung und Liebe das Gott wohlgefällige Opfer ist (entsprechend Röm 12,1) und wie die Christen so durch die Gnade Gottes mit dem einen lebendigen Opfer Jesu Christi vereint werden.

Im 19.Jahrhundert hatte sich die Kirche relativ schnell durch aktive Laienorganisation, aber auch durch eine Erneuerung des Klerus und der Orden reorganisiert. Zu diesem Zeitpunkt wurde unter anderem die Kongregation der Herz-Jesu- Priester von Pater Jean- Leon Dehon in Saint Quentin in Frankreich gegründet, dem es gelang – so wie vielen anderen engagierten und heiligmäßigen Priestern – dass die Kirche in der Auseinandersetzung im politischen und gesellschaftlichen Feld nicht schwächer, sondern stärker wurde, in dem der katholische Bevölkerungsanteil eng an die Kirche gebunden und somit religiös geprägt wurde. Man kann vermuten, dass der Klerus in dieser Zeit sehr diszipliniert und pastoral engagiert war und deshalb in einem soziologisch fassbaren Sinne auch erfolgreich war. Bis in die 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts ist die Rolle des Priesters unbestritten und gehört zentral zum Katholizismus.

Von 1962 bis 1965 fand das II. Vatikanische Konzil statt.  Diese Zeit war von gewaltigen Spannungen charakterisiert. Bereits um die Mitte des 20. Jahrhundert, nach dem II. Weltkrieg zeigt sich ein deutliches Absinken der Zahl der geistlichen Berufungen z. B. in Frankreich und Deutschland. Papst Pius XII. ruft angesichts der stark steigenden Katholikenzahlen und der geringen Anzahl von Priestern in Lateinamerika, aber auch in Afrika und Asien zu einem Austausch des Klerus auf. Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil setzt eine Welle von Amtniederlegungen ein. In den sieben Jahren von 1963 bis 1970 sind über 14000 Laisierungsanträge gestellt. Die Anzahl der Amtsniederlegungen ohne einen entsprechenden Antrag wird auf etwa 18ooo geschätzt, so dass in diesen Jahren rund 6,5% der 450000 Priester ihren Dienst quittieren. Das Jahr 1968 war eine Umbruchsituation für Kirche und Gesellschaft. Es bedeutete Bruch mit der scheinbar “geschlossenen Welt” des Katholizismus. Zugleich erfolgt ein großer Einbruch in der Anzahl  der Neugeweihten. Ein solches Massenphänomen deutet auf einen ausgedehnten Problemstau hin, der sich plötzlich entlädt.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil setzt jene lange Kette von römischen  Maßnahmen ein, die den Klerus zu stabilisieren suchen. Die Bischofssynode von 1971 beschäftigt sich mit dieser Problematik ebenso wie zahlreiche Hirtenbriefe und Restrukturierungsmaßnahmen der Bischöfe.  Nach dem Konzil ist weltweit die Zahl der katholischen Priester in Relation zur katholischen Bevölkerung über 50% geschrumpft. (1)

Rollenunsicherheit ist ein Kennzeichen von vielen Priestern. Es liegt auf der Hand, dass viele ein neues und erneuertes klares Priesterbild suchen. Diese Suche ist bis heute im Gange. Es zeigt sich auch, dass das Priesterbild teilnimmt an den Krisen und Umbrüchen in der Kirche. Neuaufbrüche und “mentale” Veränderungen müssen deshalb bei den Priestern ansetzen, sie insbesondere – nicht alleine natürlich- sind Träger von Veränderungen und Erneuerungen, die ohne “Stimmungsumschwünge” nicht erreichbar sind. Der Beginn des 19. Jahrhunderts mag uns daran erinnern, dass solche Veränderungen durchaus möglich sind, obwohl sie zunächst für unmöglich gehalten werden. (2)

Profil ermöglicht Stärkung und Erneuerung des priesterlichen Dienstes.

Wo das Priesterbild verwässert ist und sich profillos dem Zeitgeist anpasst, da liegt es auf der Hand, dass der Priester und auch die Kirche aus der Landschaft der Gesellschaft verschwinden. Es sind also nicht Zeitgeist und Modeerscheinungen, die das Profil des Priesters ausmachen. Vielmehr entdecken wir ein zukunftsfähiges Profil des priesterlichen Dienstes im Blick auf die Heilige Schrift, im Rückgriff auf die große geistliche Tradition der Kirche, insbesondere im Blick auf die Heiligen und in der Orientierung an den Texten des II. Vatikanischen Konzils.

Das Priester-Jahr möchte den Priester als wirklichen “Geistlichen” wiedergewinnen, der als Mensch in seiner menschlichen Schwäche dem Wirken des Heiligen Geistes Raum gibt und deshalb in seinem Leben und Wirken auf die Lebenskraft des Heiligen Geistes vertraut. Ein Geistlicher schaut nicht  allein auf das Sichtbare und Machbare, auf das Leistbare und Planbare. Das entscheidende Identitätszeichen eines geistlichen Menschen ist das Kreuz Jesu Christi, wie Paulus empathisch betont: “ Wir verkünden Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit” (1 Kor 1,23-24). Kann man sich überhaupt eine größere Umwertung aller Werte vorstellen als diejenige, die in Jesus Christus offenbar geworden ist?  Da zählt nicht das Starke und das Weise. Da zählt vielmehr das Schwache und das Törichte. Aber darin liegen die wahre Kraft und die wahre Weisheit. Der heilige Pfarrer von Ars war in seiner menschlichen Begrenztheit transparent für die menschliche Darstellung Jesu Christi.

Der priesterliche Dienst kann nur verstanden werden von seiner Ausrichtung auf das Volk Gottes und den Leib Christi, also von seiner Sendung. Priester wird man nicht für sich selber, sondern für andere. Das Zweite Vatikanische Konzil stellt im Dekret über den Dienst und das Leben der Presbyter den guten Hirten aus dem Johannesevangelium als exemplarisches Leitbild dar, wobei Bezug genommen wird auf Polikarp, der im Brief an die Gemeinde von Philippi den Presbytern einschärft: “ Auch die Presbyter sollen wohlwollend sein, barmherzig gegen alle, sie sollen die Verirrten zurückführen, die Kranken besuchen, Sorge tragen für die Witwen, Waisen und Arme; stets sollen sie bedacht sein auf das Gute vor Gott und den Menschen; sie sollen sich freimachen vor jedem Zorn, von der Parteilichkeit und ungerechtem Urteil; fern sei ihnen jegliche Geldgier, leichtfertiger Glaube an üble Nachrede, hartes Urteil, im Bewusstsein, dass wir alle der Sünde Schuldner sind.” Der Priester ist aufgefordert, dass Christus “vor allem durch ihn täglich das Opfer der Erlösung vollziehen will”. Es wird auf die Darbringung des heiligen Opfers, das Gebet, die Predigt und den pastoralen Dienst hingewiesen. In all diesen Tätigkeiten soll der Priester durch die Ausübung der Liebe und den anderen Tugenden zur “Einheit mit Christus, dem Priester” gelangen .

Priesterliche Spiritualität

Unser Christsein steht oder fällt mit dem Glauben an Christus, den Auferstandenen: “Surrexit dominus vere” – “Der Herr ist wirklich auferstanden.” Die besondere Verantwortung des Priesters besteht darin, den österlichen Kern des christlichen Glaubens wiederzuentdecken. Im 5. Kapitel des 2. Korintherbriefes thematisiert Paulus die Mitte des christlichen Glaubens, Tod und Auferstehung Jesu Christi im gleichen Atemzug, wo er das eigentliche Wesen seines apostolischen Amtes anspricht. Denn Paulus ist überzeugt, dass Gott uns durch Christus versöhnt und das Amt der Versöhnung gestiftet hat. Dieses im Heilsgeschehen mitgestiftete Amt hat zur Aufgabe, “die von Gott in Jesus Christus schon geschehene Versöhnung, also die Einheit von Gott und Mensch und daraus entsprechend der Menschen untereinander ( und die Einheit im eigenen Herzen), weiterzuvermitteln, so dass sie für alle Menschen und Zeiten wirksame Gegenwart werden kann.” (3)

Der priesterliche Dienst kann nur in dieser österlichen Perspektive wahrgenommen werden. Ist es nicht auch zu erklären, dass viele Priester  in ihrer Rolle verunsichert sind, weil Christus, der Auferstandene nicht immer den Vorrang hat? In der Tat: Der priesterliche Dienst hat nur Sinn, wenn der Priester mit dem lebt, der lebt, nämlich mit dem auferstandenen und in seinem Geist gegenwärtigen Christus. Die lebenslange Aufgabe des Priesters liegt darin, Jesus Christus besser kennen und lieben zu lernen. Dieser vertraute Umgang, der im Kennen und Lieben besteht, ist die Voraussetzung, dass der Priester Christus in und gegenüber der Gemeinde repräsentieren kann.

Der Priester ist in erster Linie berufen und verpflichtet, Botschafter des Evangeliums zu sein. Augustinus sieht das Amt des Priesters vorgebildet in der Gestalt des Johannes des Täufers, der im Neuen Testament “Stimme” genannt, während Christus als “Wort” bezeichnet wird. Es ist genau dieses Verhältnis von Wort und Stimme, welches das Wesen des priesterlichen Dienstes ausmacht. Wie nämlich das Wort, bevor es durch die Stimme sinnlich vernehmbar werden kann, bereits im Herzen des Menschen, der es spricht, lebt, so besteht die schöne Aufgabe des Priesters darin, sinnlich-lebendige Stimme für das vorgängige Wort zu sein. Der sinnliche Klang der Stimme geht vorüber, aber das Wort bleibt. Augustinus schließt daran, dass der Priester wie Johannes der Täufer ein reiner Vorläufer ist.

Das Priester-Jahr ist Anlass die priesterliche Spiritualität zu erneuern und zu vertiefen und um bei allen Menschen, die guten Willens sind, die Sensibilität für den Sinn für geistliche Berufe zu erwecken.

P. Théo Klein SCJ

  1. aus : Theologischer Kommentar zum Dekret über den Dienst und das Leben der Presbyter von Ottmar Fuchs und Petrer Hünemann in Herders Theologischem Kommentar zum     – 5 -Zweiten Vatikanischen Konzil, Band 4, S.343-344.
  2. Reinhard Marx “Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit” (2 Kor 3,17). Der Priester als Zeuge und Werkzeug des Heiligen Geistes in: Marx / Schallenberg (Hg.): “Ihr seid der Brief Christi” S.11-12.
  3. G. Greshake, Priester sein in dieser Zeit. Theologie – Pastorale Praxis – Spiritualität (Freiburg.i.Br. 2000) S.69.

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