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Père Théo Klein SCJ prend position pour les réfugiés

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Foto aus Luxemburger Wort (2.5.2015) Foto aus Luxemburger Wort (2.5.2015)

Tragödien im Mittelmeer

 

Mehr Geld für Waffenrüstung als für Flüchtlinge

 In den vergangenen 25 Jahren sind mehr als 25 000 Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken. Mehr als 1 100 Menschen haben in den vergangenen Wochen im Mittelmeer ihr Leben gelassen – ertrunken auf der Flucht. Es sind Gräber ohne Namen, Männer, Frauen und Kinder. Und es werden immer mehr…

 Unser Schmerz sitzt tief. Die Trauer ist groß. Im 20. Jahrhundert wurde mitten durch Europa eine Mauer gebaut. Wird im 21. Jahrhundert nicht eine Mauer um unseren Kontinent gebaut?! Wenn wir eine Mauer um unseren Kontinent aufbauen, dann macht sie blind für die Not der Ertrinkenden. Sie macht uns taub, wenn die Menschen auf dem offenen Meer schreien. Und diese Mauer macht uns sprachlos im Angesicht des Massengrabes im Mittelmeer.

  Papst Franziskus ist nach seinem Dienstantritt zuallererst auf die Flüchtlingsinsel Lampedusa gereist, um auf diese Flüchtlingskatastrophen aufmerksam zu machen. Er warnt vor der Globalisierung der Gleichgültigkeit. Vor dem europäischen Parlament in Straßburg hat er eindrücklich gemahnt, Europa dürfe nicht zulassen, dass das Mittelmeer zum größten Friedhof Europas wird. Geholfen hat es leider wenig. Immer noch ertrinken die Menschen auf ihrer Flucht vor Krieg, Terror, Hunger und Perspektivlosigkeit. Europa – das seid Ihr und ich – wir dürfen nicht wegsehen, wir dürfen nicht länger tatenlos zusehen.

 Jede Hilfe kostet „einen kleinen Beitrag“. Es geht darum, dass größere Anstrengungen gemacht werden für die Länder Afrikas und im Nahen Osten, aus dem die Menschen fliehen. Es liegt nicht nur an uns, es liegt auch an den Menschen in Afrika und im Nahen Osten, an allen Politikern – es liegt an uns allen! Das ist die große Herausforderung, wenn Globalisierung ein menschliches Gesicht behalten soll! Nordafrikanische Staaten müssen stabilisiert werden, vor allem Libyen und Tunesien. Ziel müsste es sein, dass diese Länder politisch wieder handlungsfähig sind, um den Schleppern vor Ort das Handwerk zu legen. Die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit muss gefördert und gestärkt werden. In diesem Zusammenhang geht es darum, dass größere Anstrengungen gemacht werden für die Entwicklung der betreffenden Länder, aus denen die Menschen fliehen, und es geht darum, dass die Flüchtlinge hier in Europa gerecht an alle EU-Staaten verteilt werden.

 Flüchtlingshilfe kostet Geld – aber nur einen kleinen Beitrag im Vergleich zu den enormen Geldsummen, die zur Stützung des Finanzsystems und für die Waffenrüstung ausgegeben werden! Christen – und alle Menschen guten Willens – sind gefordert, die Stimme zu erheben „gegen dieses zum Himmel aufschreiende Unrecht“.

 Wir brauchen eine verbesserte Neuauflage der Seerettungsmission in gesamteuropäischer Verantwortung. Die EU braucht zudem eine klare Einwanderungspolitik. Es muss weltweit kommuniziert werden, wer nach Europa einwandern kann und wer nicht. Europa darf kein IS-Staat werden!

  Der Wecker hat für Europa geklingelt. Wenn wir nach dem Weckerklingeln weiterschlafen, dann ist Europa keine humane Wertegemeinschaft. Dann steht Europa nur noch auf dem Papier: „gelesen, gelocht, geschubladet“. Und das wollen wir ja alle nicht!

 Pater Theo Klein SCJ

 Luxemburger Wort – 2-5-2015