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Toleranz für westliche Werte

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Toleranz für westliche Werte

Über Toleranz und Verteidigung westlicher Werte

  

In dem Buch „ Keine Intoleranz den Intoleranten“ mit seinem Untertitel “Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“ geht der Autor  Alexander Kissler der Frage nach, wie der Westen seine Werte verteidigen kann, wo Europa von einem extremistischen militanten Islamismus bedroht ist. Der ausschlaggebende Anlass, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, waren die Anschläge vom 7.und 9. Januar 2015 auf die Redaktion des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ und auf einen Supermarkt für koschere Lebensmittel in Paris, bei denen fanatische Muslime insgesamt 17 Menschen getötet hatten. Dieses Ereignis ging nicht spurlos an Kissler vorbei. Für ihn war es noch schlimmer als die Anschläge des 11. September 2001: „Der Terror, zunächst noch ohne Adjektiv, hatte das Herz des alten Kontinent erreicht: Paris, die Metropole der Freiheit… Nun konnte es jeden treffen.“ ( S.7.)

Es ist für den Autor unverständlich, dass der Bundesinnenminister Thomas de Maizière gebetsmühlenartig immer wieder behauptet, solche Terrorakte, wie jene von Paris „hätten nichts mit dem Islam zu tun“ (s.27). Zwar geht die extremistische Gewalt „nur von einer kleinen Minderheit der Muslime aus“ (S.9), und dennoch darf man nicht ignorieren, dass „die Mörder sich doch als besonders glaubenstreue Fromme auf den Spuren Mohammeds verstanden“ und „dass sie aus ihrem Bild des Islam die Lizenz zu Mord ableiteten“ (S.10).

Wenn der Westen also der Feind der militanten Islamisten ist, so muss man sich fragen, wo dessen geistige Fundamente sind. Er zitiert Philosophen und Historiker der Vergangenheit und Gegenwart  wie Rémi Brague, Philippe Nemo und Heinrich August Winkler, Voltaire und John Locke, Michel Houllebecq, G. K Chesterston, Papst Benedikt, der heilige Augustinus sowie den Römer Cicero, Leader einer Schule des abendländischen Denkens, die jedem einzelnen Menschen naturgegebene und unverlierbare Rechte zuerkennt.

Mit Philippe Nemo erklärt Kissler, dass die Einzigartigkeit des Westen als „symphonischen Zusammenklang von Wissenschaft, Rechtsstaat, Privateigentum, Demokratie, Geistesfreiheit und Rationalität“ (S.119) zu verstehen ist und nur entstehen konnte „zu der die Griechen und die Römer und die Bibel ihre je eigenen und unverzichtbaren Impulse beitrugen“ (ebd). Auch Aufklärer wie Locke und Voltaire argumentierten entschieden vom Boden des christlichen Menschen- und Weltbildes. Kissler beruft sich auf Historiker wie wie Gottfried Schramm und Heinrich August Wikler, dass der Monotheismus mit der Vorstellung brach, die ganze Welt sei ein „Tummelplatz launischer Gottheiten“ (S.124)  und erst so konnte „Raum für Individualität und Würde“ geschaffen werden (ebd). Die Wurzeln der westlichen Konzepte von Menschenwürde und Menschenrechte verstehen sich im Zusammenwirken von jüdisch-christlichem Gottesglaube, griechischer Philosophie und römischem Rechtsverständnis. Die im Westen hochgeschätzten Werte wie Meinungsfreiheit und Toleranz sind letztendlich auf ein religiös fundiertes Verständnis von Gewissensfreiheit zurückzuführen, das auch ein Recht auf Irrtum einschließt.

Toleranz darf für Kissler kein freier Tummelplatz für alles sein. Der Toleranz müssen auch Grenzen gezogen werden. Auf den über 170 Seiten entwickelt der Autor zwei klare Thesen, nämlich dass die Toleranz ihre Grenze in der Intoleranz des Anderen findet und dass eigene Werte es wert sind, verteidigt zu werden. „Wem alles egal ist, auch das eigene Wertgerüst, der ist nicht tolerant, sondern ignorant. ‚Toleranz’, das ließ Thomas Mann eine Romanfigur sagen, ‚wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt.’“ (S.26)

Hinzu kommt ein spezifischer Hang, dass man sich zurückhält, sich nicht einmischt und sein eigenes Profil mit seinen Stärken nicht zeigen möchte. Auch und gerade die Kirchen – „vor allem die protestantische“ (S.156) spielen dieses Spiel mit, wie Alexander Kissler verärgert sich darüber äußert. So erklärte der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, seit 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), „die Begegnung mit dem Reichtum anderer Glaubenstraditionen“ mache ihn „zu einem glücklicheren Menschen“ (ebd). Der Kommentar von Kissler dazu lautete: „Keinem Imam fiele es ein, sein Glaubensleben ohne die Bibel für unvollständig zu deklarieren - im Gegenteil, begreift der Koran  sich doch als (…) Gottes letztes und vollständiges Wort. Dem evangelischen Bischof reicht zu seinem Glück das Evangelium offenbar nicht.“ (S.157)

Letztendlich lädt Alexander Kissler zu seiner selbstkritischen Reflexion ein: Knicken wir durch unseren verwässerten Toleranzbegriff schnell ein? Haben wir uns aufgegeben? Haben wir wirklich keine eigene Haltung mehr?  Der Autor bringt es lapidar auf den Punkt: „Wohin ich mich auch wendete, überall wurde mir Toleranz als eine Übung in Standhaftigkeit näher gebracht und gerade nicht als gleichförmiges Desinteresse an allem.  So hat sich der Westen in weiten Teilen in den letzten Jahren entwickelt: zur Vereinigung der Menschen, denen alles egal ist, solange niemand sie beim Lebensgenuss und dessen Verdauung stört. Toleranz aber ist ohne Haltung nicht zu haben. Das Verhalten von Politik, Medien und Kirchen legt davon ein trauriges Zeugnis ab. Es ist  viel zu oft die pure Halt- und Haltungslosigkeit.“ (S.10)

 

Was der Autor in seinem Buch aufdeckt, ist die Wut und der Hass der Islamisten auf Juden und beschreibt Fälle, von denen in den Medien nichts zu hören ist…

Wer dieses Buch liest, erschreckt einerseits, weil es einen mit der harten Realität konfrontiert und einen selbstkritischen Spiegel vor das Angesicht hält und anderseits erzählt es aber auch von einer großen Hoffnung, die wir uns nicht nehmen  lassen sollen.

Es lädt zum Mitdenken ein und fordert Stellung zu beziehen. Es kann doch nicht sein, was Alexander Kissler treffend auf den Punkt bringt: „Der Westen dankt ab, wo immer er die Symbole seiner Genese entsorgt.“ (S.137)

 

 Pater Theo Klein SCJ

 

 

Alexander Kissler, Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss? Gütersloher Verlag 2015 , 183 Seiten