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P. Théo Klein SCJ über Elio Guerrierios Biografie zu Papst Benedikt XVI.

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P. Théo Klein SCJ über Elio Guerrierios Biografie zu Papst Benedikt XVI.
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Der Missverstandene

Neue Biografie zu Benedikt XVI. räumt mit Zerrbild auf

VON PATER THEO KLEIN SCJ

 

 

Vor fünf Jahren, am 11. Februar, an Rosenmontag, ist Papst Benedikt XVI. zurückgetreten. Aus diesem Anlass erscheint jetzt die ausführliche Joseph-Ratzinger-Biografie des italienischen Bestsellerautors Elio Guerrierio – der bis heute in engem Kontakt mit dem emeritierten Papst steht. Papst Franziskus, der sich von Benedikt verstanden und mit ihm verbunden weiß, hat das Vorwort geschrieben.

Es gelingt Guerriero, die historisch-geografischen Umstände mit dem theologischen Profil von Joseph Ratzinger – das von Anfang an Missverständnissen ausgesetzt war – auf eine verständliche und spannende Art und Weise zu verbinden und erklären.

In den Kriegswirren fand der junge Joseph Ratzinger Zuflucht bei den zwei großen Denkern: Augustinus und Bonaventura. Später nahm er am Zweiten Vatikanischen Konzil teil und er hat nie mit der kirchlichen Tradition gebrochen. Tradition bedeutet für ihn ein lebendiger Fluss, der uns wieder zu den apostolischen Ursprüngen, ja zu Jesus selbst zurückführt. Als Präfekt der römischen Glaubenskongregation versuchte er die Vision von Papst Johannes Paul II. zu veranschaulichen.

Papst Benedikt XVI. setzte sich unermüdlich und tapfer für die Wahrheit ein, u. a. in seiner Enzyklika über die Liebe „Deus caritas est“, die alle Menschen anspricht, die auf der Suche sind nach einem Sinn und einem möglichen Zusammenleben. Auf dem Stuhl Petri war er ein überzeugter geradliniger Mensch und Christ, der viel – oft unberechtigte Kritik - einstecken musste, die er geduldig ertrug.

In den letzten Jahren hat sich Papst Benedikt XVI. dem hl. Benedikt angenähert, dem Vater des monastischen Humanismus, der das kontemplative Gebet mit einer stillen und harmonischen Arbeitseinheit vereinte. Joseph Ratzinger erinnert sich an den Tod des hl. Benedikt, der sich, wie der hl. Gregor meint, an einem erhöhten Ort ereignet haben muss: „Er kann das Ganze sehen, weil er aus der Höhe sieht, und die kann er finden, weil er innerlich weit geworden ist (…). Und dann kann das Licht Gottes ihn anrühren, er kann ihn erkennen und von ihm her den wahren Über-Blick gewinnen.“ Auch das Kloster Mater Ecclesia, wo Papst Benedikt seinen Lebensabend verbringt, liegt an einer erhöhten Stelle. Hier hat er, genauso wie sein treuer Wegbegleiter Augustinus Frieden gefunden in Gott, und von hier aus bleibt er in Gemeinschaft mit seinem Nachfolger und mit der ganzen Kirche.

Fazit

Elio Guerriero will mit diesem Buch – das meiner Meinung nach zu den besten Biografien über Joseph Ratzinger gehört –, den Papst Benedikt XVI. nicht auf ein Podest stellen, sondern von einem aufrichtigen Mann erzählen, einem Mann, der Bayern und Bücher liebt und den Lehrstuhl des Professors nur schweren Herzens gegen den Bischofsstuhl eingetauscht hat.

Das Buch versteht sich als Hilfe zur Orientierung und zur Unterscheidung der Geister. Wie oft hört man in der Öffentlichkeit, dass dem emeritierten Papst vorgehalten wird, sei es aus Unkenntnis oder aus Populismus im Wirrwarr der heutigen Meinungen und im Rummel medialer Informationen, gezielter Desinformationen und manipulierter Umdeutung, er habe einen Rückwärtskurs eingeleitet und wolle hinter das Zweite Vatikanische Konzil zurück.

Er wollte niemals zurück, sondern in die Tiefe – wie das Senfkorn nur aus der Tiefe des Bodens herauswächst. 

Besprechung erschienen im Luxemburger Wort vom Samstag, 10. Februar 2018, Seite 28 von

 P. Théo Klein SCJ